Vulva, Vagina, Möse


Das Lustorgan

Vagina, Klitoris, Vulva oder Scheide, wie heisst die "da unten"?
Ein Blick in die Wortgeschichte entlarvt Machtinteressen und Geschlechter-Ideologien.

Vagina ist derzeit der meist verwendete Begriff und wird meist für das gesamte Sexorgan verwendet, medizinisch bezeichnet er aber nur den Kanal, der das Äußere mit der Gebärmutter verbindet. Die Scheide, lat. vagina, wurde als Hülle zum Schwert gesehen, da man in Analogien dachte und in der Anatomie entsprechende Begriffe gebrauchte (hier aus dem Kampfbereich entlehnt). Eine selbständige weibliche Sexualität war in diesem dualen Konzept nicht vorgesehen.

Vulva bezeichnet im derzeitigen medizinischen Wortgebrauch das Äussere des weiblichen Genitals. Vulva, lat. heisst wörtlich übersetzt Gebärmutter (auch Kelch oder Schale), und ist damit genau das Gegenteil davon. Volven oder Völva nannten die nordischen Völker ihre weisen Frauen und Seherinnen. Gr. Delphi heißt auch Gebärmutter. Das Orakel von Delphi wurde von Priesterinnen aus dem symbolisch Weiblichen, der Vulva, gelesen. Hier ist die alte Bedeutung des verehrten Schoßes als Bauchgehirn in matriarchal organisierten Gesellschaften noch erkennbar. Auch lat. volvere, rollen, fließen, einbinden, invulvieren wird mit den weiblichen Genitalien verbunden.
Erst mit der Verdrängung der Vulva durch den Uterus als Bezeichnung für die Gebärmutter wird der Begriff zunehmend mit dem äußeren verbunden und die Bedeutung verengt. Auch cunnus, engl. cunt, wörtlich übersetzt -heiliger Ort- und etymologisch eng mit queen, kin und cuntry verwandt (Königin, Sippe und Mutterland) wird auf den äußeren Genitalbereich reduziert, dann von der Vagina ersetzt und schließlich als Schimpfwort missbraucht (auf deutsch Fotze).

Die Besetzung und Gleichsetzung von Sexualorganen mit Scham (lat. pudendum) hat sich im Laufe der Jahrhunderte in die Anatomie und den Alltagsgebrauch eingeschrieben und dient zur Distanzierung von Sexualität im Gegensatz zur notwendigen Fortpflanzung. Während Schambein und Schamhaare sowie Muskeln (Pc-Muskel = Pubo) für alle gelten, wird "Scham“ als Synonym für die Vulva verwendet und zusätzlich Frauen mit Schamlippen versehen.
Die Klitoris wiederum wurde angeblich in der Renaissance von einem Anatomen gefunden, ist aber schon in der griechischen Mythologie in verschiedenen Ausführungen zu finden: Clite oder Cleite ist eine Göttin, nach der eine Quelle benannt wurde, was auf die weibliche Potenz verweist. Cleite wird auch aufgeführt als Charis, eine der drei Kharites oder Charites, Göttinnen der Lust und der Freude, die in der römischen Mythologie zu den drei Grazien verniedlicht werden. Clite ist aber auch als Begleitung der Amazone Penthesilea zu finden. Jede Zeit hat ihre Legendenbildung und ältere Kulturen wurden schon in der griechischen Mythologie überlagert und gewaltvoll transformiert.
Für die Klitoris finden sich viele weitere Ableitungen und Diminutiva, von kleiner Hügel bis Schlüssel, Tor, verschließen und kitzeln, die den Prozess der Verkleinerung des weiblichen Sexualorgans untermauern. Heute wird mit Klitoris oft die Perle gemeint und als Gegenstück zur Vagina gesehen, was u.a. auf Freuds Geschlechterkonzept zurückgeführt wird. Er wertete die Klitoris als verkümmerten Penis, den Frauen zugunsten der Vagina vernachlässigen sollten, um zur wahren Weiblichkeit durch den Koitus zu finden. Erst die Frauenbewegung hat die Potenz der Frau zurückerobert. Die Klitoris ist ein komplexes Sexualorgan, das neben der Perle und deren Kapuze aus Klitorisschaft, -Schenkel, Schwellgewebe, äussere und innere Lippen, Harnröhre und Prostata, Vulvakanal, Gebärmutter, Muskeln, Drüsen, Nerven und Blutgefäßen besteht. Das ist die klitorale Wahrheit.

Laura Méritt

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